Gisbert Danberg | Plastiken
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Frühe Arbeiten

Die Formensprache der  Plastiken entstammt der gegenwärtigen digitalen Welt hochgezüchteter Computer. Vergleichbar dem traditionellen Modellieren mit Wachs oder Ton werden mit 3D-Modeling-Software, die ansonsten von Architekten, Ingenieuren, Designern oder Filmemachern eingesetzt werden, die Figuren zuerst am Computer virtuell erstellt. Aber nicht eine hochikonische Realitätsdarstellung wird dabei angestrebt, sondern durch Abstraktion auf die Wesensmerkmale der Form das polygonale Grundprinzip virtueller 3D-Welten und damit der prinzipielle Zeichencharakter verdeutlicht.

Die Transformation der virtuellen in eine physisch präsente Form erfolgt in einem weiteren Arbeitsgang auch erst im Computer, indem die 3-dimensionale Oberfläche der noch digitalen Figuren in die Zweidimensionalität „geklappt“ und in Form eines „Schnittmusters“ auf Zeichenkarton ausgedruckt werden. Dann werden in traditioneller Handarbeit die einzelnen Flächen ausgeschnitten und zusammengefügt .

„Virtulus aureus – Agnus aureus“

Digitalskulptur / Rauminstallation

(Papier, Schlagmetal/Blattgold, Glas, Holz ), 2009/10

In zwei würfelförmigen Glaskuben auf hohen Stelen präsentieren sich preziosengleich dem Betrachter in leichter Untersicht zwei goldglänzende, annähernd gleichgroße Tierfiguren.

Die eine Tierfigur „Virtulus Aureus“ – das „Goldene Kalb“ ist seit dem Alten Testament das Götzenbild schlechthin; der „Tanz ums goldene Kalb“ gilt als Sinnbild für die Verehrung falscher Gottheiten wie Reichtum und Macht, Fortschritt, Jugend, … , wie auch das Material Gold als Inbegriff von Reichtum und Pracht gilt. Laut biblischer Überlieferung zerschlug Moses nach seiner Rückkehr vom Berg Sinai die Gesetzestafeln mit den „10 Geboten“ und das „Goldene Kalb“, das sich das Volk der Israeliten als Ausdruck der Rückwendung zu den alten Göttern (Kalb/Stier als Symbol der Mondgötter Nana und Sin) geschaffen hatte und ließ anschließend von den abgefallenen Anhängern 3000 erschlagen.( – 2. Mose 32,1-4 )

Die andere Tierfigur „Agnus Aureus“ verweist semantisch auf das „Agnus Dei“ (lat. Lamm Gottes), ein seit ältester Zeit im Christentum verbreitetes Symbol für Jesus Christus. Im 1. Brief des Paulus an die Korinthische Gemeinde wird Jesus Christus als das Passah-Lamm bezeichnet, das schon geopfert ist (1 .K. 5,7 ). Dass das Blut des Lammes zur Erlösung der Menschen dient, wird in 1 .Petrus 1,19 deutlich. Petrus verdeutlicht den Adressaten, dass sie nicht mit vergänglichen Wertstoffen, wie Silber oder Gold losgekauft, daher erlöst wurden, „sondern mit dem kostbaren Blut Christi, des Lammes ohne Fehl und Makel“

Auch in den johanneischen Schriften des Neuen Testaments spielt die Agnus-Dei-Symbolik eine besondere Rolle. In der Offenbarung des Johannes nimmt die Vorstellung des Lammes, welches identisch mit Jesus Christus ist, einen breiten Raum in der apokalyptischen Schau des Sehers ein.

Die differierenden Aspekte der Plastik werfen Fragen auf, die den Betrachter zur Reflektion anhalten und nur jeweils subjektive Antworten evozieren können: Stehen sich „Virtulus aureus“ und „ Agnus aureus“ hier konträr gegenüber oder verweisen die gestalterischen Parallelen auf eine wie immer geartete Identität? Was definiert Gottheiten, was Götzen? Ist der Glanz des Goldes Zeichen für materiellen und/oder ideellen Wert? Oder ist dies alles eine Virtualität mit polyvalentem Bezug zur Welthaltigkeit.

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Ursutaurus

Ursutaurus

In der Plastik URSUTAURUS sind die beiden scheinbar gegensätzlichen Elemente von Bulle und Bär zu einer Einheit geworden, was sich auch in dem zusammengefügten Namen ausdrückt (Ursus = Bär, Taurus = Stier).

So wie es keinen Himmel ohne die Hölle geben kann, so wie Yin und Yang notwendigerweise zusammen gehören, so sind in dieser Bronzeplastik der Bulle und der Bär, das Auf und Ab zu einem untrennbaren Ganzen, zu einer kompakten Plastik verschmolzen. Die Figuren stehen auf einer Plinte, die etwas von einem Schachbrett hat und damit zeigt, dass sowohl die Börse als auch das Leben etwas von einem Spiel haben kann, welches erfolgreich mit Kenntnis und Intelligenz gespielt werden will.

 Das Gegensätzliche drückt sich aber dennoch aus, indem der Bulle seine Hörner in die eine Richtung nach oben reckt, während der Bär seinen Kopf in die andere Richtung nach unten neigt.

Trias

Technik:     Papercut (Papier, geschnitten, geklebt)
an je 1 Nylonfaden frei beweglich  aufgehängt

Format:      3-teilig : 100 x 26 x 19cm, 57 x 63 x 48cm, 105 x 35 x 22cm
Abstand 150cm +-50cm je nach Raumsituation
Höhe ü. Fussboden 50 – 80cm .

Drei abstrahierte, menschliche Figuren, nicht Mann oder Frau, sondern beides, bilden die Figurengruppe „Trias“. Die gleiche digitale Formgestaltung, die gleiche Oberflächen- und Farbgestaltung und die Anordnung in einem gleichseitigen Dreieck machen aus drei Einzelelementen) eine Einheit. Aber schon die Körperhaltungen differieren. Alle Figuren hängen nur an jeweils einem dünnen Faden, schweben über der Standebene des Betrachters; die Figuren stehen auf einer eigenen abgehobenen, virtuellen Ebene. Die Art der Aufhängung bewirkt, dass sich die Figuren schon bei dem geringsten Windzug (z.B. hervorgerufen durch einen vorbeigehenden Betrachter) um die eigene Achse drehen und somit ständig und vom Zufall bestimmt ihre Stellung zueinander, zum umgebenden Raum und zum Betrachter ändern und damit auch das Verhältnis des Einzelnen, des Individuums zur Gruppe, Gemeinschaft sowohl in der Innen- als auch in der Außenwirkung permanenter Veränderung unterworfen ist.

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Ikarum

 

Ìkaros ist aus der griechischen Mythologie bekannt: Sein Vater Daídalos hatte Flügel konstruiert, mit denen er und sein Sohn aus der Gefangenschaft auf Kreta in die Freiheit flohen. Als Ikarus jedoch der Sonne zu nah kam, schmolz das Wachs, das die Federn zusammenhielt, und er stürzte ab in den Tod. Der Ikarus-Mythos wird im Allgemeinen so gedeutet, dass der Absturz und Tod die Strafe für Ikaros Griff nach der Sonne war.

Häutung

 

In fast kubistischer Manier reduziert der Künstler die Figuren auf kristalline Grundmuster und strebt so ein zeitloses Modell des Menschen an, zumal das körperlich Ganze im Gegensatz zum Kubismus gewahrt bleibt. Die Abstrahierung auf ein kristallin technisches Grundmuster lesen wir darüber hinaus unübersehbar als Resultat eines ebensolchen Herstellungsprozesses , dh der eigentlich schaffende Künstler wird tendenziell durch die Maschine, den Computer, ersetzt – solcherart erfährt die technoide Erscheinung des Menschen eine weitere Steigerung.

Wenn wir nun wissen, dass Danberg auf ein Pressefoto reagiert, auf ein grauenhaftes Bild aus dem Vietnamkrieg, wo ein Soldat einen zerfetzten Leichnam in der Hand hält dann wird uns klar, dass Danberg nicht einer generellen Technik-Kritik das Wort redet, nicht auf die Computerwelt zielt.

In der gedanklichen Collage von erinnertem Vor-Bild und Darstellungsmodus bzw. Arbeitsweise, zielt er dann auch und vor allem auf die Technisierung von Krieg, wobei die Technisierung sich verselbstständigt und die menschliche Verantwortung auszublenden scheint. Irrwitziger Weise scheint und die Arbeit emotional gesehen, kaum zu berühren und gerade das müssten wir im Kontext des gerade gesagten als erschütternd begreifen, als einen überaus methodisch konstruierten und geplanten Wahnsinn.

(U.Marquardt)

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